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Über uns 


Der Verein

Der folgende Text wurde von Franz Boddenberg im Jahr 2003, anlässlich des 33-jährigen Jubiläums verfasst.               

Der Igeler Carnevalsverein (ICV) ist der örtliche Verein, der das Fastnachtstreiben in Igel ausrichtet und alles Brauchtum, das dazu gehört, bewahrt. Die offizielle Gründung des Vereins war 1970, obschon es davor natürlich immer schon Fastnachtstreiben in Igel gab. Verschiedene Gruppen im Verein tragen zum Gelingen aller Veranstaltungen bei: - der Vorstand - der Elferrat - die Große Garde - die Kleine Garde - das Männerballet und andere Gruppen, die nicht direkt unter der Obhut des Vereins stehen.

Fastnachtstreiben auch vor 1970 

Das bedeutet natürlich nicht, dass vorher hier bei uns in Igel keine Fastnacht gefeiert wurde. Schon sehr früh nach dem Krieg war hauptsächlich der Musikverein "Lyra" die Institution, die in unserem Dorf karnevalistisch tätig war. Noch heute erinnert man sich gerne an die stimmungsvollen und gut besuchten Kappensitzungen im Saalbau      "Zum Löwen". Oder auch an die Umzüge am Fastnachtsdienstag, selbst wenn es manchmal nur die Musikkapelle war, die durchs Dorf zog. Ebenso wurden echte Maskenbälle abgehalten. Diese fanden im damals noch existierenden Saal bei        "Milisch Liss (Gasthaus Petry) statt. <Anm.: Das Gasthaus mit Saal stand an der Ecke Triererstraße/Moselstraße (heute Sparkasse).> Die ersten organisierten  Kappensitzungen trugen die Handschrift von Richard Trumphfeller, genannt "Fips". Richard Trumphfeller stammte aus Mainz und hatte nach seiner Kriegsgefangenschaft eine Igelerin geheiratet. Er zog die Kappensitzungen nach Mainzer Vorbild auf. Viele Vortragende standen in all den Jahren in der "Bütt". Ein Name dieser Vortragenden soll stellvertretend erwähnt werden. Es ist der heute fast 86 jährige Michel Reis.         Michel Reis hielt einmal einen Vortrag mit dem legendären Satz "Ma sicher!". Diese zwei Worte kamen ständig in seiner Rede vor und garantierten ihm immer Lacher und begeisterten Beifall. Etliche Zeitgenossen erinnern sich noch heute gerne daran. Übrigens ist er bis jetzt der Einzige mit einem Orden des RKK (Regionalverband karnevalistische Korporation Rhein-Mosel-Lahn e.V.)

Die "Pioniere" des ICV

Da der Igeler Karneval immer ein fester Bestandteil im dörflichen Zusammenleben war, wurde dieses Brauchtum von einer Generation zur anderen weitergegeben. So kam es denn, dass einige Jugendliche (ca. 16 - 19 jährige) eines Tages den Gedanken fassten, das, was bisher der Musikverein sozusagen "zusätzlich" machte, selbst in die Hand zu nehmen. Man beschloss, einen Verein zu gründen, der sich nur mit der Fastnacht beschäftigte. Die ersten Treffen in lockerer Runde mit Klaus Schärf, Werner Reis, Berthold Conter, Jürgen Herber, Helga Kömen (heute Lober), Winfried Bindges, Reinhold Fusenig, Werner Scholer, U, Toni Weber, Hansleo Geißler, Alfred Strassen, Klaus Werner Kiemen, Ewald Müller, Remo Dermenn fanden zunächst bei Rudi Ries Ende der 60er Jahre statt. Als Hobbyfilmer war er ein geschätzter Gastgeber für esellige Runden. Hierbei wurde immer wieder über die Fastnacht gesprochen, diskutiert und über Organisationsformen nachgedacht. Von etlichen "Erwachsenen" wurden sie zunächst gar nicht ernst genommen. Doch davon ließen sie sich nicht entmutigen und verfolgten ihr gestecktes Ziel, eine Karnevalsverein zu gründen. Um Erfahrung zu sammeln besuchten sie an den Fastnachtstagen auch mal Nachbarorte. So wohnen sie unter anderem auch einem Umzug  in Nittel bei. Hier sahen sie einen Wagen mit Weinranken und gleichzeitigem Ausschank. Das beeindruckte sie so sehr, dass sie sich entschlossen, diesen Wagen in Igel nachzubauen. Es entstand so der erste Umzugswagen von Igel. Noch heute wird er, wenn auch ein wenig verändert und restauriert, bei Umzügen verwendet. Eine interessante und für die Motivation der Gründer bezeichnende Anekdote aus dieser Zeit lieferte die Suche nach einem geeigneten Raum, den man als Treffpunkt für "wichtige Sitzungen und Besprechungen" und als "Tagungsort" benötigte. Hierbei wurde der Wehrmachtsstollen im Hohlen Weg ins Auge gefasst. Damit man auch erkennen konnte, dass dieses Vorhaben sinnbildlich wie die Gründung des Karnevalsvereins eine solide und zukunftsträchtige Grundlage hat, wurde Maurermeister Matthias Permesang für das Betonieren des Fußbodens um Hilfe gebeten. Hierfür hat man 15 Sack Zement organisiert und Strom vom Nachbar Hans Leo Müller bezogen. Trotz aller Anstrengungen und Baumaßnahmen wurde dieser Raum nie genutzt. Jedoch zeigte dieses Vorhaben, dass diese "Pioniere" des ICV bereit waren, Dinge, die man sich in den Kopf gesetzt hatte, zu realisieren.

Die Gründungsjahre

Einen Vorstand im klassischen Stil hatte man zu Anfang nicht. Wohl eine Satzung, die angelehnt war an die einer großen politischen Partei. Es gab einen sogenannten Geschäftsführer, bei dem alle Fäden zusammenliefern, eine Kassierer, einen Materialwart und viele fleißige Hände mit guten Ideen. Der Verfasser erinnert sich selbst noch dran, mit welcher Ordnung und Akribie das mittlerweile angeschaffte Vereinsmaterial behandelt wurde. Kappensitzungen und Umzüge wurden auch weiterhin vom Musikverein unterstützt. Kirchenchor und andere Gruppierungen kamen mit der Zeit unterstützend dazu. Rückblickend kann man sagen, es war ein Hoch-Zeit des recht jungen Vereins. Auch außerhalb der Fastnachtszeit waren die Igeler Karnevalisten aktiv. So wurden unter anderem Waldfeste auf de ehemaligen Turnplatz, zwischen Waldstraße und Schauinsland gelegen, durchgeführt. Viele werden sich noch an die legendäre Freiluft-Kegelbahn und an das spektakuläre Käsebuffet der an dem Fest teilnehmenden französischen Soldaten erinnern.

Der Kollektiv-Vorstand und die kritischen Jahre

Doch wie dies im Leben oft so ist: nach Höhen folgen Tiefen. Bedingt durch Berufsausbildung, weiterführende Schulen, Militär und Wohnortwechsel maßgeblicher Leute stellte sich ein Abwärtstrend des Vereins ein. Ein für die wichtigen Belange des Vereins verantwortlicher Vorstand konnte nicht gefunden werden. Man versuchte es mit einer Konstellation, die man Kollektiv-Vorstand nannte, was zur Folge hatte, dass bei wichtigen Fragen kein verantwortlicher Ansprechpartner mehr zur Verfügung stand. Ein allmähliches Auseinanderfallen des ICV war die Konsequenz. Die vorher erwähnte Ordnung gab es nicht mehr. Viele Materialien und Werkzeuge waren nach und nach nicht mehr auffindbar, was den wenig noch verbliebenen Idealisten auch den letzten Mut nahm weiterzumachen. Materialien und Werkzeuge, die man ja Jahre zuvor benutzte, um wunderschöne, fast schon "künstlerisch wertvolle" Motivwagen zu bauen. Man denke nur an den noch existierenden römischen Streitwagen, der nicht nur zur Fastnacht präsentiert sondern auch wegen seiner allgemeinen Popularität bei historischen Umzügen außerhalb Igels eingesetzt wurde. Vor dem erwähnten sogenannten Kollektiv-Vorstand Mitte der 70er bis Ender der zweiten Hälfte der 70er Jahre war Michael Fusenig 1. Vorsitzender. In dieser Zeit wurde auch die provisorische Satzung überarbeitet und man beabsichtigte, den Verein beim Amtsgericht eintragen zu lassen. Nach nicht zu recherchierenden Gründen kam es jedoch nicht zu einem Eintrag.

Erneuter Aufwärtstrend

Anfang der 80er Jahre formierte sich der Igeler Carnevals-Verein erneut. Diesmal unter Winfried Hölzmer, der den Vorsitz führte. Er trommelte selbst "versprengte" ehemalige Mitglieder wieder zusammen. Das Vereinsleben funktionierte wieder. Aber leider sind nochmals keine Aufzeichnungen aus dieser Ära vorhanden. Mit Berthold Schömer als Vorsitzender wurden ab 1985 wieder Niederschriften, Protokolle usw. in Akten geordnet. Viele Fotos, Dias und Filme belegen die neuen Aktivitäten. Wegen des mittlerweile enorm angestiegenen Zuschauerinteresses verlegte man aus Platzgründen in dieser Zeit die Austragung der Kappensitzungen vom Saalbau "Zum Löwen" in die neu erbaute Turnhalle. Schon bald wurde deutlich, was die Nachteile eines großen Raumes gegenüber eines engen Raumes ausmacht: für eine gute Stimmung in der Turnhalle bedurfte es eine gewaltige Anstrengung im Programmablauf verglichen mit der Stimmung in der Enge des Saalbaus, wo der Stimmungsfunke all die Jahre zuvor scheinbar ohne große Mühe übersprang. Mit der Verlegung der Kappensitzung in die Turnhalle und bedingt durch den zunehmenden Straßenverkehr bzw. das schon erwähnte enorm gestiegene Zuschauerinteresse ging auch Ära der Umzüge durch das Altdorf über die Hauptstraße zu Ende. Diese endeten jahrelang am Vorplatz der Igeler Säue. Die vielen buntgekleideten Menschen, die Musikkapellen aus Igel und Zewen sowie Hunderte von Zuschauern vor der Kulisse des römischen Denkmals ergaben immer wieder ein herrliches Gesamtbild. Man entschloss sich den Umzug an Fastnachtsdienstag in den Bereich Sekundinierstraße, Feilenkreuz, Waldeskühl zu verlegen, um die Auflösung im Bereich der Turnhalle stattfinden zu lassen. Der abschließende Umtrunk hunderter von Zuschauern mit Musik und Prämierung der Zugteilnehmer wird seither in der Turnhalle abgehalten: ein Highlight der jährlichen Vereinsveranstaltungen in unserem Dorf.

Weiberfastnacht: to be or not to be

In den 80er bis 90er Jahren, versuchte man in Igel die Weiberfastnacht einzuführen. Die Initiative ging von Liersberger Frauen aus. Im damaligen Gasthaus "Roosen" feierte man die Weiberfastnacht. Sie hatte in Liersberg regen Zuspruch. Nachdem dieses Lokal schloss, versuchte der ICV im Gemeindehaus und später im Bürgerhaus diese Veranstaltung weiter fortzuführen. Doch man musste einsehen, dass der Erfolg einiger Veranstaltungen doch oft mit ihren ursprünglichen Lokalitäten verbunden ist. Die Weiberfastnacht wurde bis auf weiteres in größerem Stil nicht mehr organisiert. In den Jahren 1994 und 1995 wurde zu Abhaltung der Maskenbälle ein beheiztes Zelt auf den Dorfplatz - Moselstraße - aufgestellt. Dies war mit sehr viel Aufwand und Kosten verbunden. Allein schon die nötigen Toilettenanlagen brachte erhebliche Schwierigkeiten mit sich. War doch einmal bei minus 10 Grad alles eingefroren. Nach diesen negativen Erfahrungen wurde dann alle später stattfindenden Veranstaltungen in die Turnhalle verlegt. Durch die vielen Veranstaltungen und dem doch hierfür wenig zu Verfügung stehenden Personal, entschloss man sich, andere Ortsvereine miteinzubeziehen: Kirchenchor und die Alten Herren des Fußballs (AH Igel) organisierten den Maskenball, Gruppierungen der Schuleltern führten am Fastnachtssonntag oder am Rosenmontag ein buntes Faschingstreiben durch, Jugendclub und Majoretten Verein wurden bei den Veranstaltungen mit eingebunden.

Igeler Adel 

Prinzenpaare hatte der Verein schon vor der Gründung 1970. Die offizielle Benennung während einer speziell dafür vorgesehenen Veranstaltung erfolgt jedoch erst ab ? (Zeitpunkt unbekannt) und immer um den 11. November. Während dieser Proklamation wird das vorher streng gehütete Geheimnis gelüftet, wer in der neuen Session als großes und kleines Prinzenpaar regiert. Diese Proklamationen fanden zunächst im Gemeindehaus statt. Seit der Session 2000 werden sie im Bürgerhaus abgehalten. 1987 kam es nochmals zur formellen Neugründung des Vereins. Nachdem alle Kriterien erfüllt waren, wurde die Eintrag ins Vereinsregister beim Amtsgericht Trier durch geführt.

Endlich Platz

Bedingt durch immer mehr angeschafftes Material, was zunächst im Feuerwehrhäuschen bei dem alten Schulhof gelagert wurde, war man ständig auf der Suche nach einem geeigneten Raum, bis man endlich auf dem Bahngelände fündig wurde: die Halle der ehemaligen Spedition Lentz bot genügend Platz für Lagerung und sogar Wagenbau. Nach Berthold Schömer folgten als Vorsitzendeer von 1991 - 1992 Reinhold Heintz, von 1992 - 1997 Reinhold Kiemen, von 1998 - 2002 Michael Biwer und seit April 2006 Dr. Hans Werner Weiskircher (Ergänzung: seit April 2006 gibt es einen neuen Vorstand). Die angesprochenen Aktivitäten außerhalb der Fastnacht aus der Anfangszeit des ICV wurden und werden fortgesetzt. Verschiedene Plätze zur Durchführung der Sommerfeste waren der alte Schulhof, vor der ICV Halle und auf dem Festplatz an der Mosel. Wandertage sind hin und wieder Bestandteile des laufenden Jahres. Anstatt zu wandern hat man im Jubiläumsjahr gemäß dem Motto      "3 x 11 Jahre Igeler Narrenschiff" eine Schiff-Fahrt nach Saarburg unternommen.

Der alten Tradition verbunden

Des weiteren ist in diesem Jahr wieder ein Waldfest auf dem "alten Turnplatz" geplant. So ist der Verein alter Tradition verbunden aber ebenso dem Neuen, Modernen sehr aufgeschlossen. Man findet ihn mittlerweile  auch im Internet (www.icv-igel.de).           Möge unser Igeler Karnevalsverein eine beständige gute Zukunft haben, "zur Freude ihrer Mitglieder, der Dorfbevölkerung und seiner Nachbarorte.

Halten wir es alle mit Wilhelm Raabe: 

"Gott sei Dank, dass der Spaß nicht fortzukriegen ist in dieser mürrischen Welt".

 

von Franz Boddenberg, Igel 2003